Schreibaufgabe: spannender Text

Ich war bereit. Beinahe 20 Jahre hatte ich mich auf diesen Moment vorbereitet. Nun war es so weit. Bevor ich das Haus verlies, betrachtete ich mein Gesicht noch einmal im Spiegel. Noch konnte man mir ansehen, was ich fühlte. Wut. Verbitterung. Doch vor allem Entschlossenheit. Ich war so entschlossen, wie ich es schon lange nicht mehr gewesen war. Keinem Kind vor einem Süßigkeitenregal ein bisschen über seiner erreichbaren Körperhöhe, keinem aufdringlichen Reporter bei einer brisanten Gerichtsverhandlung eines prominenten Schwerverbrechers würde man es so sehr ansehen wie mir. Vielleicht ähnelte ich noch am ehesten einem Löwen kurz vor dem Sprung zu seiner Beute. Und das zu recht. Nur dass meine Beute nicht das Glück haben würde, nach einem kurzen Schreckensmoment nichts mehr mitzubekommen. Denn ich würde sie nicht aufsuchen, um sie zu töten. Nein, das wäre unter meiner Würde. Außerdem würde ich mich niemals zu einem Verhalten herablassen, das so menschenverachtend war wie es das ihre gewesen war. Stattdessen würde ich sie auf ganz andere Art und Weise büßen lassen.

Doch zunächst galt es, meinen Gesichtsausdruck zu verändern. Niemand sollte mir meinen Plan ansehen, am allerwenigsten Aurelia. Aurelia Saller, so hieß sie mittlerweile. Vor 5 Jahren hatte sie Andreas Saller geheiratet und vor 2 Jahren hatten sie das Haus gekauft, in dem sie nun wohnten. All das wusste ich aufgrund meiner akribischen Recherche und nichts davon war gerecht oder verdient. Doch bald würde sich all das ändern. Schon bald würde ihr Leben nicht mehr das sein, das sie seit Jahren so unverdient führte. Denn dieses Leben gebührte eigentlich mir. Vor 20 Jahren hatte sie dafür gesorgt, dass ich um mein Leben gebracht wurde, um das Leben, das mir zustand und dass sie an sich riss. Vor 20 Jahren stand sie da, in unserer Küche und neben meiner Mutter, die den Satz aussprach, der mein Leben für immer verändern würde. „Verschwinde von hier und komm’ nie wieder“. Niemals hätte ich damals gedacht, dass meine Mutter so dumm sein würde und Aurelia glauben würde. Und doch hatte sie es geschafft. Meine Mutter glaubte ihren Lügen. Nach nur 2 Jahren in unserer Familie nahm sie meinen Platz ein und ich wurde verbannt. Mein Blick fiel auf das Foto, das neben meiner Haustür stand. Es zeigte mich und meine Mutter, glücklich und vereint. Dieses Bild war vor Aurelias Adoption erstanden. Erneut spürte ich Wut in mir hochkochen, doch als ich das Armband in die Hand nahm, das meine Mutter mir geschenkt hatte, wurde mein Puls wieder langsamer. Es galt nun, absolute Ruhe zu bewahren. Mein Moment war gekommen. Ich würde mir mein Leben zurückholen. Ein Klingelton ertönte und ich warf einen Blick auf das Display. „Ich fahre jetzt einkaufen und treffe dich dann im Hotel. Ich freue mich auf dich. Kuss, Andreas“. Mein Mund verzog sich zu einem Lächeln. Es war soweit. Nun war sie allein im Haus. Während ich aus der Tür ging, streifte ich mir meine Handschuhe über. Der seidene Stoff umschmeichelte meine Hände. Es waren nur wenige Meter bis zu ihrem Haus. Mein Herz klopfte, als ich den Weg zur Haustür entlangschritt. In Gedanken sah ich noch einmal ihren hämischen Gesichtsausdruck vor mir, als ich vor 20 Jahren weinend das Haus meiner Mutter und damit meine Kindheit verließ. Jetzt war keine Zeit für Nervosität. Jetzt war die Zeit für Rache. Ich hob meine Hand und klingelte an der Tür.

Mamditargo – ein Werbetext

Wird es Ihnen im Moment auch alles zu viel? Die Kinder, die Hausarbeit, die Stapel der Home Office-Aufgaben, die Verantwortung, der Stress… Merken Sie schon von der Aufzählung, wie sich ihr Puls beschleunigt? Das geht vielen. Doch Sie sind nicht allein! Mit „Mamditargo“ können Sie sich endlich entspannen und das ganze Chaos hinter sich lassen. Klingt zu schön um wahr zu sein? Ist es nicht!

Denn Mamditargo erstellt für Sie einen lebensgroßen und komplett realistischen Klon ihrer Person und nimmt Ihnen so einiges an Aufgaben ab. Wir können gar nicht vollständig aufzählen, welche Last Ihnen dadurch von der Schulter fallen wird! Sie schaffen es neben dem Home Office kaum, noch den Hausaufgaben ihrer Kinder beizuwohnen? Setzen Sie doch Ihre Mamditargo-Version neben Ihre Kinder. Ihre Chefin verlangt dauerhafte Anwesenheit über Skype? Setzen Sie Ihre Mamditargo-Version vor den Laptop. Ihr Partner/Ihre Partnerin wurde gekündigt und möchte nun den ganzen Tag Ihre Aufmerksamkeit? Platzieren Sie Ihre Mamditargo-Version zu Ihrem Partner/Ihrer Partner auf die Couch.

Und Mamditargo macht keinen Halt bei einer stummen Puppenversion Ihres Selbst. Stattdessen arbeitete unsere Technikabteilung in den letzten Wochen auf Hochtouren, um auch elaborierte Audioeffekte einzubauen. Individualisieren Sie Ihr Mamditargo bei der Installation ganz nach Ihren persönlichen Charaktereigenschaften. Bis zu 25 verschiedene Sätze können einprogrammiert werden und so wird Ihr Mamditargo stets passend antworten. Sie können einstellen, bei welchem Gegenüber welche Sätze als Reaktion zufällig abgespielt werden sollen. Viele unserer Nutzer*nnen ordnen der Chefetage beispielsweise Sätze wie „Ja, natürlich, das mache ich sofort“ oder „hmhm, ja, klar“ zu. Für Partner*innen besonders geeignet sind Sätze wie „wow, das ist ja toll!“ oder „du siehst heute in deiner Jogginghose sehr charmant aus!“. Wählen Sie aus den voreingestellten Sätzen welche aus oder nehmen Sie neue auf.

Sandra, 25, sagt: „Mamditargo hat mein Leben in der Quarantäne um 525 % verbessert!“

Peter, 40, sagt: „Meine Mamditargo-Version wird auch nach Corona regelmäßiger Bestandteil meines Arbeitslebens bleiben“

Ralph, 51, sagt: „Ich danke Mamditargo für all die Geschichten, die ich mir nicht anhören musste“

Dies sind nur einige unserer bisherigen Erfahrungsberichte.

Wollen Sie auch dazugehören? Dann besuchen Sie unsere Homepage und bestellen Sie noch heute. Lieferinhalt des Paketes ist ein USB-Stick. Stecken Sie diesen einfach in Ihren Laptop, aktivieren Sie die Frontkamera und alle Ortungsdienste und die Software wird Ihren Klon neben Ihnen fünf Minuten später aufstellen. Wenn Sie noch heute bestellen, erhalten Sie zusätzlich eine Demoversion unseres Produktes „Der Lebenssoundtrack – weil sich mit Musik alles besser anfühlt“ – gratis dazu!

Warnung:

Sollten Sie bei der Anwendung bemerken, dass Ihr Clon positiver aufgenommen wird als die Originalversion, übernimmt die Magische Moment GmbH keine Haftung für etwaige Zusammenbrüche. Stattdessen gratulieren wir Ihnen zu so viel Selbsterkenntnis und würden Ihnen empfehlen, Ihren Charakter oder Ihre Beziehungen nochmals zu überdenken. Wir wünschen noch einen schönen Tag.

Mamditargo – weil wir allem mal eine Auszeit brauchen

Ein Text über Meeresbiologie

Sehr geehrte Mitarbeiter*innen der Universität Wien,

hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen als Hauptstudienfach an Ihrer Universität.

Angesichts der Tatsache, dass meine Forschung sich auf ein Gebiet bezieht, das rund 70 % der gesamten Erdoberfläche ausmacht, ist es höchst verwunderlich, um nicht zu sagen fragwürdig und unerhört,  dass nicht bereits alle Universitäten dieser Welt meine Relevanz erkannt haben.

Mit diesem Schreiben gebe ich Ihnen nun die Möglichkeit, meinen Namen als erste deutschsprachige Universität als Hauptfach verwenden zu dürfen und damit Interessierte aus aller Welt anzulocken. Sie werden als Pionieruniversität in die Geschichte eingehen und eine Berühmtheit erlangen, von welcher Sie seit Sissi und Freud kaum mehr zu träumen wagten.

Doch genug von den Vorteilen, die Sie daraus ziehen, kommen wir nun zu meinen Qualifikationen für die Stelle, denn diese sind selbstverständlich zahlreich.

Zum einen wäre da die in der heutigen globalen Welt äußerst wichtige Tatsache, dass ich ein ausgesprochen großes Repertoire an einzigartigen Sprachen spreche, die ich mit größter Freude auch an meine Student*innen weitergeben würde. Englisch, Altgriechisch oder Arabisch bekommt man ja heutzutage an jeder Universität hinterhergeschmissen, doch wenn die Generation von morgen endlich praxisnahe Hilfestellungen braucht, um beim Schnorcheln nach dem Weg zu fragen, eine Abalone-Perle zum Sonderpreis zu ergattern oder eine Entscheidungshilfe benötigen, wenn sie auf ihrem Kutter zwischen verschiedenen Wa(h)lmöglichkeiten schwanken, steht ihr dank mir durch das Lernen von Batoideisch (die Sprache der Rochen), Conkisch (die Sprache der Muscheln) oder Ballaenisch (die Sprache der Wale) nichts mehr im Wege.

Eine andere Spezialität von mir ist meine beispiellose Fähigkeit von Zusammenhalt und Kollegialität. Als einen meiner größten Erfolge und Beleg dafür erwähne ich diesbezüglich gerne eine Erfindung, die Sie mit Sicherheit kennen und die gemeinhin als „Flashmob“ bekannt ist. Wenige wissen heutzutage noch, dass dieses gesellschaftliche Phänomen ursprünglich aus meiner Feder stammt und sich zuerst unter kleinen Kiemenatmern durchsetzte – die Schwärme, zu denen sich unsere Hochseereptilien zusammenfügen, sind Ihnen sicher bekannt.
Jedenfalls ist das doch ein Teamwork, das sich zu lehren lohnt und genau das verspreche ich zu tun.

Ich könnte noch lange so weitermachen, doch sowohl meine als auch Ihre Zeit ist kostbar, daher belasse ich es bei dieser absolut bruchstückhaften und unvollständigen Liste und verbleibe zunächst mit plätschernden Grüßen bis ganz bald.

Angesichts der aktuellen Lage, an deren Lösung ich im Übrigen ganz nah dran bin, erbitte ich bei Rückfragen ein Skype-Gespräch. Sie finden mich unter biomare_for_president_1001.

Mit freundlichen Grüßen,

Ich, deren Name nicht genannt werden muss

Piratenclan – ein Spontantext

Während ich versuche kreativ-konzentriert zu sein, merke ich gerade, mir fällt so gar nichts ein.

Genau so war’s auch im letzten Meeting mit meinem Boss – sie ist nämlich ein ziemliches Schwein – da stand sie vor mir mit ihren breiten Grinsen und ihrem aus Holz geschnitzten Bein.

Der Papagei auf ihrer Schulter schrie „wir brauchen ´ne neue Idee“ und mein Boss sah mich an und ich dachte ´Ohweh`- es würde schon wieder alles an mir hängen bleiben; und das schon vor dem ersten Kaffee.

Es musste also ein Plan her, schon wieder, das war ja so klar, ey.

Nie kriegten wir es hin, wir waren echt der erbärmlichste Piratenclan, der seit Jahren aus der Südsee angekrochen kam.

Ich konnte mich noch erinnern, als ob es erst gestern war, da hatte ich zu ihrem Angebot gesagt: „Ja! Geil! Klingt gut, so ein Leben als Piratenbraut, die nichts tut den ganzen Tag, nur Schätze klaut und Diamanten braut, das klingt doch nach nem Traum – den Job im Büro mach ich schließlich schon seit Jahren kaum.

So nahm ich vor 15 Jahren das Angebot der Piratendamen

mit Freuden an und hätt´ nicht gedacht, dass ich es mal so bereuen kann.

Und heute sitz’ ich ihm Meeting und es fühlt sich genau so an wie damals in der Bank, nur dass ich statt die Verbrechen an Menschen an Land zu begehen versuche zu erreichen, dass Schiff untergehen – es bleibt wie immer beim Stehlen.

Deshalb klopf’ ich meinem Boss zum Abschied ans Bein, ziehe vorsichtshalber meinen Kopf ganz stark ein und sage zum Abschied „du Schwein“.

Und nun der Rückblick zur kreativen Konzentration – merke ich, irgendwie geht es schon.

Was einen nicht umbringt, nervt trotzdem.

Was einen nicht umbringt, macht einen stärker, haben sie gesagt. Steh auf, wenn du am Boden bist, haben sie gesagt. Und es fühlt sich irgendwie falsch an, jemandem wie Nietzsche, den Toten Hosen oder Kelly Clarkson zu widersprechen. Naja, zumindest Nietzsche. Und irgendwo haben sie ja auch Recht. Es ist durchaus ein Ideal, das es anzustreben gilt, wenn man ein glückliches Leben führen wird, denn kein Leben ist frei von Rückschlägen und fiesen Erlebnissen. Aber vielleicht sollte man gleichzeitig auch manchmal verständnisvoll sich selbst und anderen gegenüber sein, wenn dieses Ideal mal nicht erreicht wird. Denn manchmal schafft man es eben nicht, sich zu freuen und zu denken „Juhu, eine Möglichkeit etwas zu lernen“, sondern denkt nur „ICH WILL ABER NICHT IMMER ETWAS LERNEN MÜSSEN.“

In solchen Momenten hat man dann nicht das Gefühl, dass man mit seinen Aufgaben wächst, sondern dass mit jedem Rückschlag weniger Kraft zum Verkraften, weniger Durchhaltevermögen, um der Verzweiflung Einhalt zu gebieten und weniger Lachmuskeln für die Komik der tragischen Situation, da sind. Gleichzeitig kommt man sich total albern dabei vor, wenn man doch schon eine viel größere Krise überwunden hat und dann bei einer vergleichsweise harmlosen Problematik die Fassung verliert. Wie kann es sein, dass man rumjammert wegen eines kleinen Streites mit dem Partner, wenn man doch früher das Problem hatte, nie den Richtigen zu finden? Wie kann es sein, dass man hoffnungslos ist angesichts eines kleinen Tests in der Uni, wenn man doch schon viel größere geschafft hat? Wie kann man aufgrund einer erkältungsbedingten Erschöpfung an den Rand der Verzweiflung geraten, nachdem man eine Chemotherapie überstanden hat?

In solchen Momenten kommt man sich schwach und bescheuert vor; ganz anders, als man es sich vorgestellt und gewünscht hat. Denn wofür waren all diese Stolpersteine und Katastrophen denn da, wenn nicht dafür, einen stärker und robuster gemacht zu haben?

Dies sind die Momente, in denen man sich darin üben kann, nicht so streng mit sich zu sein. Natürlich kann man auch versuchen, sich an die vergangenen, weitaus größeren Hürden zu erinnern und oftmals hilft das auch, um Kraft zu tanken. Doch wenn das mal nicht hilft, gibt es einige logische Erklärungen, warum das nicht immer so einfach ist:
Erstens ist die Psyche in Notfallsituationen im Notfallmodus. Das bedeutet, dass möglichst viele Ressourcen aktiviert werden und man völlig darauf konzentriert ist, die schwere Phase zu überstehen. Dafür mobilisiert man nicht nur in sich, sondern auch im sozialen Umfeld alles, was man hat und das erleichtert die Sache natürlich enorm. Die Menschen haben ja auch Verständnis dafür, wenn es einem wirklich schlecht geht und man Hilfe benötigt. Zur Chemotherapie begleitet einen immer gerne jemand; möchte man aber, dass jemand einem hilft, die schreckliche Wartezeit beim Hausarzt für ein Nasensprayrezept zu überstehen, wird man da vermutlich ein wenig länger betteln müssen.  Das ist auch vollkommen in Ordnung und verständlich, führt aber eben dazu, dass es manchmal schwieriger sein kann, kleinere Krisen zu überstehen, weil weniger automatische Hilfe vorhanden ist.
Zweitens summieren sich blöde Erlebnisse ja irgendwie auch. Na klar ist man manchmal stolz auf das, was man schon überstanden hat; manchmal ist man aber auch einfach nur erschöpft, fühlt sich am Ende seiner Kräfte und außerdem mehr als ungerecht behandelt. Nach einer so langen Suche nach dem richtigen Partner hat man doch schon genug gelitten, da kann es ja nicht sein, dass man dann auch noch kleine Streits ertragen muss. Nach jahrelangem Auseinandersetzen mit chronischen Krankheiten und Therapieformen soll die Erkältung nun wirklich jemand anderen treffen, das wäre ja wohl nur fair. Aber so funktioniert das Leben leider nicht und auch nach dem Überstehen größerer Krisen ist man nicht vor Alltagsschwierigkeiten gefeit. Und da hilft es dann – einem selbst und anderen – zu verstehen, dass man nicht trotz, sondern gerade wegender viel schlimmeren Erlebnisse in der Vergangenheit auch manchmal bei Kleinigkeiten verzweifelt.

Und drittens kommt noch hinzu, dass man in sehr schwierigen Zeiten nicht nur mehr Unterstützung erhält und geduldiger mit sich selbst ist, sondern auch bei Erfolgen viel mehr bejubelt wird. Weil ja schließlich gesellschaftlich und überhaupt anerkannt ist, dass es sich dabei um schwierige Situationen handelt, gibt es großes Lob, wenn man mal die Zähne zusammenbeißt oder mal einen guten Tag hat. Sätze wie „Ich bin total beeindruckt, wie toll du das schaffst“ oder „Du bist wirklich stark, wie du das durchhältst“ gehören da an die Tagesordnung. Anders sieht es bei kleineren Problemchen aus. Ich möchte mal jemanden sehen, der einen beklatscht, weil man es schafft, während einer Erkältung trotzdem gute Laune zu haben. Auch man selbst ist diesbezüglich streng und denkt sich, das sei doch schließlich normal und müsste immer so sein. Doch auch hier kann man stolz auf sich sein. Das ist vielleicht überhaupt die wichtigste Lektion. Zu lernen, sich selbst mehr zu loben. Die Reaktionen der anderen kann man sowieso nicht beeinflussen und wie verständnisvoll sie sind, auch nicht. Aber sich selbst hat man zumindest teilweise in der Hand und so könnte man vielleicht einfach üben, nett zu sich zu sein. Auch mal großzügig, wenn man es nicht immer schafft, ein Lächeln zu bewahren. Verständnisvoll, wenn man schon wieder im Jammer-Modus ist. Und bewundernd, wenn man blöde Phasen gut übersteht – egal, wie blöd sie nun objektiv sind.

:(: Von Gebäude-Mobbing und Phantasie

Silvester, Strandurlaub, Lottogewinn. Im Gegensatz zu Beinbruch, Überstunden, Streitigkeiten.Natürlich eine leichte Wahl. Denn wer hält sich nicht lieber am Strand auf, mit uneingeschränkter Freiheit  zu tun, was immer einem beliebt, als mit einem Knochenbruch oder Schlimmerem im Krankenhaus zu liegen und auf die tristen Wände zu starren, die  meist so unglaublich lieblos gestaltet sind, dass man sich fragt, wer sich dabei eigentlich nichts gedacht hat.

Doch wenn man schon gezwungen ist, sich in Situationen wie Krankenhausaufenthalten oder Büro-Überstunden wiederfinden zu müssen, so hilft es manchmal, diese Ereignisse und Orte von einer anderen Seite anzusehen. Denn letztendlich kann man auch Krankenhäuser und ähnliche Bauten als Gebäude betrachten, die ein so richtig ungerechtes Los gezogen haben. Alle fühlen sich in und bei ihnen unwohl und niemand mag sie, offensichtlich einschließlich des Architekten, der sie entworfen hat – der scheint ihre Skizze noch in seine letzten fünf Minuten vor Feierabend hineingequetscht zu haben.

 

Diese Gebäude werden gemieden wie die dicken Außenseiter in der Schule und genauso schlecht wird über sie gesprochen. Dabei ist nur allzu häufig eine Geschichte hinter der Oberfläche versteckt, die es zu entdecken lohnt, die Mitgefühl und Verständnis verlangt und die auch viele positive Überraschungen bereithalten kann.

 

Natürlich kann man es den Menschen nicht verdenken, dass sie lieber mit einem Lottogewinn am Strand liegen statt mit einem Beinbruch im Krankenhause oder sich mit den coolen Kids aus der Klasse anfreunden möchten statt mit dem Außenseiter Zeit zu verbringen.

Aber erstens lernt man oft schnell und früh, dass stark verherrlichte Orte, Ereignisse oder Menschen ein ziemliches Desaster sein können.  Wer hat zum Beispiel noch keine enttäuschende Silvesternacht erlebt, bei welcher der größte Knaller kaum den kleinsten Knallfrosch übertraf, einen verregneten Urlaub mit viel zu vielen Insekten im Hotelzimmer mit Müh und Not durchgestanden oder eine Party bei den coolen Kids mit viel Langeweile besucht und auch wieder verlassen – im direkten Vergleich kann da ein 0-8-15-Arbeitstag mit Überstunden und Stress manchmal viel sinnstiftender und erfüllender sein. Es gilt also manchmal, nicht schon im Vorhinein zu kategorisieren, was gut und was schlecht sein wird, da sich das im Nachhinein als großer Trugschluss erweisen kann.

 

Und zweitens – und das ist häufig viel relevanter – ist es nicht immer möglich, sich für den Urlaub und all die objektiv als hoch spaßig gehandelten Ereignisse und Menschen zu entscheiden. Denn manchmal ist man eben gezwungen, etwas zu tun, das nicht auf der persönlichen Wunschliste ganz oben steht. Manchmal muss man einen Vortrag halten, muss Nachtschichten schieben, muss mit einer richtig blöden Diagnose ins Krankenhaus. Da ist es dann umso besser und förderlicher, sich nicht nur damit zu arrangieren, sondern als Königsdisziplin dem Ganzen sogar etwas Positives abzugewinnen. Da kann es dann helfen, nach dem Glanz hinter der abgefuckten Fassade zu suchen, die schönen Ecken im runden Gebäude zu finden und den Außenseiter mal zu fragen, was ihn eigentlich beschäftigt und was er eigentlich möchte.

Und wenn das alles nichts hilft oder immer noch nicht dazu führt, dass man dem Krankenhaus oder Außenseiter Sympathie entgegen bringt, man sich aber in einer Situation befindet, von der man weiß, dass es einem gut tun würde, dies zu tun, dann hilft die Phantasie als eines der stärksten Werkzeuge. Denn mal abgesehen davon, dass ein Krankenhaus auch vielen Menschen hilft, gesund zu werden, so betrachtet man dieses Gemäuer doch ganz anders, wenn man sich vorstellt, dass es sich dabei eigentlich um ein verzaubertes Schloss handelt, das von einem bösen Zauberer verflucht wurde und nun deshalb so unattraktiv aussieht, damit niemand erkennt, welch Schönheit eigentlich in ihm steckt und ihm alle die Bude einrennen. Und dass all die unfreundlichen Ärzte, die einem ab und zu begegnen, auch nur gefangen sind in diesem Fluch und eigentlich einen ganz anderen Kern haben.

 

Oder dass der Klassenaußenseiter nur deshalb so unbeliebt ist, weil er ursprünglich von einem anderen Planeten kommt, auf dem ganz andere Schönheits- und Verhaltensideale gelten und er deshalb nicht so ganz hineinzupassen scheint.

 

Oder dass der Chef einem die Überstunden nur deshalb aufgedrückt hat, weil er eigentlich Geheimagent ist und nunmal früher wegmusste, um nur mal kurz die Welt zu retten.

 

Mit viel Phantasie kann man nicht nur Langeweile überwinden, sondern auch schwierige Lebenssituationen zu einer Geschichte mit Zauberei machen, in der man hoffentlich als der große Held hinausgeht, der alle bösen Monster besiegt hat. Und schließlich gibt es kaum eine Fantasy-Geschichte, in der nicht zunächst große Hindernisse zu überwinden sind, bis man es endlich nach Hause oder zu seinem Schatz (ob aus Gold oder aus Fleisch und Blut) schafft.
So kann man es sich angewöhnen, trotz der Tatsache, dass man kein Kind mehr ist, einen der schönsten Aspekte der Kindheit beizubehalten und das Leben mit Phantasie und Geschichten zu füllen – selbst, wenn die Geschichte auch mal von furchteinflößenden Phasen geprägt ist. Denn so kann aus einem unliebsamen Ort ein zu lösendes Rätsel werden und aus einer nebenwirkungsbehafteten und gefürchteten Krankheitstherapie ein verschneiter Weg, auf dem man zwar ärgerlicherweise einige Monster bekämpfen muss, an dessen Ende aber ein Schloss voller Glück wartet.

Die Soap-Erkenntnis

Ansichten einer Angstpatientin

Hollywoodfilme verderben ja bekanntlich das realistische Weltbild gleich in einem Rutsch mit Pornos und Putzmittelwerbungen. Doch als jemand, der unter Ängsten leidet, können auch Daily-Soaps viel weitreichendere Folgen hinterlassen als nur eine Enttäuschung, wenn ein einmaliges Wischen keine glänzende Herdplatte und ein freudig erwartetes Date keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Denn als Angstpatient neigt man dazu, Situationen als bedrohlich zu empfinden, die für einen Außenstehenden oftmals ganz harmlos oder womöglich sogar als angenehm empfunden werden. Da stelle man sich beispielsweise eine Geburtstagsfeier vor, auf der fröhlich getanzt wird – alle Freunde sind um einen herum versammelt, alle sind gut gelaunt, möglicherweise flüstert einem der Partner noch ins Ohr, wie sehr er einen liebt, eventuell gewann man tags zuvor zufällig eine mittelgroße Summe im Lotto und man fühlt sich restlos zufrieden und glücklich. Klingt für den Ottonormalverbraucher bestimmt ausgezeichnet. Doch als Angstpatient mit Soap-Erfahrung weiß man: Diese Situation ist im höchsten Maße brenzlig, geradezu lebensgefährlich! Waghalsiger könnte man das Schicksal schließlich nicht herausfordern und jede Daily-Soap gibt einem dahingehend Recht. Denn hat man jemals eine Serie gesehen, in der solche phantastischen Momente, am besten auch noch untermalen durch die verbale Betonung selbiger Phantastik, nicht in einer großen Katastrophe mündeten? Bollywood mal ausgenommen, da folgt auf glückliches Tanzen und Singen einfach nochmal glückliches Tanzen und Singen. Doch bei allen anderen Serien scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass überschwängliche Begeisterung nur dann eingesetzt werden darf, wenn danach ein großes Drama wartet. „ich bin so glücklich“ oder „endlich ist mein Leben genau so, wie ich es mir immer gewünscht habe“ können somit problemlos als die gefährlichsten Sätze seit „Rechts ist frei“ oder „In dem Kleid wirkst du ein bisschen fett“ angesehen werden.

Ein kluger Angstpatient trifft nach dieser Erkenntnis natürlich Vorkehrungen, um durch zu viel Positivität heraufbeschworene Katastrophen zu verhindern – es ist ja schließlich nicht allzu schwierig, derartige Sätze zu vermeiden. Schwierig ist es allerdings, sie nicht einmal zu denken oder andere Menschen daran zu hindern, sie auszusprechen. Ein richtiges Dilemma. Man kann ja schlecht jeden Menschen im näheren Umfeld davor warnen, sich an glücklichen Geschehnissen zu erfreuen, da wird man schnell als Miesepeter oder Pessimist abgestempelt. Anstatt dass die Leute mal erkennen würden, dass man sie ja nur beschützen möchte! Doch dies ist eben schwer möglich, genausowenig wie man sich selbst vor derartigen, als gefährlich empfundenen, Gedanken beschützen kann. Und irgendwie merkt man ja selbst schon auch, dass es schade und ein bisschen am Sinn des Lebens vorbeigelebt ist, jedem glücklichen Gedanken einen negativen, warnenden „freu dich bloß nicht zu früh“-artigen hinterherzuschicken.  Doch sich dessen bewusst zu sein und es abzustellen, sind immer noch zwei Paar Stiefel.  Überhaupt ist es ein ungünstiges und schwer zu realisierendes Konzept, Gedanken abstellen zu wollen; das funktioniert nur in den seltensten Fällen – zum Beispiel im Falle einer Vollnarkose. Deshalb muss man kreativ sein bei der Lösung dieses Problems. Zum Beispiel könnte man versuchen, seine Schwäche für absurde Ereignisfolgen mal zum eigenen Vorteil zu nutzen – denn genauso wie es Vorabendserien offensichtlich nicht erlauben, eine Glücksperiode allzu lange anhalten zu lassen, so folgt auf eine große Tragödie oder einen großen Rückschlag doch auch meiste das grandiose Comeback der Hauptperson – oftmals noch stärker und beeindruckender als je zuvor. Dies könnte man doch theoretisch ebenfalls auf sein eigenes Leben anwenden und sich in jeder verzwickten Situation freuen, dass nach der Logik der Soap-Statistik allzu bald ein freudige Ereignis auf einen wartet. Und wenn man sich hierbei nur denkt „was für ein Bullshit, nur weil das in Serien so ist, trifft das auf mein eigenes Leben sicher nicht zu“, hat man es zwar nicht zum Jubeln angesichts einer Tragik geschafft, dafür aber zumindest ein Hinterfragen der eigenen Gedanken. Denn ist man einmal bis zur Bullshit-Erkenntnis gekommen, erwischt man sich dann vielleicht beim nächsten Angstgedanken angesichts eines eigentlich freudigen Ereignisses auch mal bei einem „Letzte Woche fandst du den Vergleich zwischen deinem Leben und einer Soap noch unlogisch. Merkste selber, den Fehler, oder?“ angelangt. Und dieses „merkste selber“ kann dann vielleicht der Schlüssel zum Glück sein. Oder zumindest zum Verlagern der Angst auf ein anderes Ziel. Dem Therapeuten soll ja auch nicht langweilig werden.

Das Glück kann fünf Euro kosten

Undercover. Als was, das weiß ich noch nicht genau. Nur dass ich eigentlich nicht dazugehöre. Aber gleichzeitig unbedingt weiter so tun möchte, als würde ich dazugehören. Um hierbleiben zu dürfen. Denn hier ist alles schön. Die Menschen sind schön, der Teppich ist noch schöner und der Kronleuchter ist am Schönsten. Er strahlt auf uns alle hinab und man kann nicht anders als zurückzustrahlen. Ich strahle zurück und bin glücklich. Glücklich über meinen Mut, mein Glück in die Hand genommen und dabei festgestellt zu haben, dass es manchmal gar nicht so schwer ist, es zu erreichen. Eigentlich hat es nur fünf Euro gekostet. Bisher. Solange ich nicht erwischt werde, ist das doch ein fairer Preis, um hier zu sitzen. Den Blick auf die prunkvolle Lobby mit besagtem Kronleuchter gerichtet liegt die kleine Café-Bar des Grand Hotels perfekt eingekuschelt in der vom Eingang rechtsgelegenen Ecke. Und ich sitze hier. Mittendrin. Mitten zwischen Damen und Herren, die sich diese Namen redlich verdient haben. Wer sie salopp als „Frauen“ und „Männer“ oder gar proletariatesk als „Mädels“ und „Typen“ bezeichnen würde, den würde ich eigenhändig hier rausschmeißen. Soweit habe ich mich schon integriert. Die Damen tragen goldene Ohrringe, deren beachtliches Gewicht meine Ohren schon vom Hinsehen schmerzen lässt. Abgelenkt von diesem Anblick verpasse ich beinahe die elegante Bedienung, für die das Wort „Kellner“ herabwürdigend wäre und die mich fragt, was ich denn wünsche. Jetzt bloß nicht auffallen. Eigentlich hätte ich ja Hunger. Mein Blick fällt blitzschnell auf den Tisch neben mir und ich sehe ein Käse-Toast. Das werde ich mir ja wohl noch leisten können! Als ich die Speisekarte öffne, blinkt mir ein „Nein“ entgegen. Dann nicht. Dann eben einen Kaffee für fünf Euro. Schnäppchen. Aber das ist es mir wert. Während ich warte, blicke ich mich um und versuche, weiterhin nicht aufzufallen. Ich stelle fest, dass ich sogar begonnen habe mich anders zu bewegen. Ich lege meine abgetragene Jacke und meinen Stoffrucksack mit Comicmuster mit einer Handbewegung nieder, die das Adjektiv „bedächtig“ verdient hätte. Vielleicht sogar „elegant“. Eigentlich nicht meine Art. Doch ich möchte dem Hotel etwas zurückgeben, wenn es mich schon so großzügig hier sitzen und all meine Sorgen vergessen lässt. Und nun? Einfach dasitzen? Und wenn ja, wie? Was tue ich normalerweise mit meinen Beinen? Ich beginne sie zu überschlagen, verletze mich dabei allerdings an der Tischkante, da sie so nicht mehr unter den Tisch passen. Unauffällig blicke ich zu den Damen nebenan, um mir ein Beispiel zu nehmen. Wie machen sie es? Sie sitzen einfach. Sieht wirklich leicht aus. Ich probiere es mal. Gar nicht so schwer. Doch dann tritt das nächste Problem auf. Ich fühle mich unwohl in meinem Pullover. Er ist gepunktet und sehr alt. Mein Blick fällt auf meine Einkaufstüte, deren Aufschrift schon verrät, dass ich keine „Dame“ bin. Doch darin befindet sich ein neuer Pullover. Ich wäge ab, ob ich es wagen soll und wage es schließlich.
Der neue Pullover ist weihnachtsgrün und glitzert. Aber dezent. Auf eine Art und Weise, wie ihn auch Großmütter, altwienerischer Adel oder eben hier sitzende Damen tragen könnten. Jetzt fühle ich mich passender.
Der Kaffee ist da. Ob er eigentlich gut schmecken sollte? Vielleicht. Hat ja schließlich fünf Euro gekostet. Zum Glück ist die Tasse sehr klein. Und mit fünf Packungen Zucker ist beinahe jeder Kaffee erträglich. Dieser nicht. Aber das ist okay. Dafür sitze ich hier, trinke Kaffee und fühle mich wie eine Dame. Abgesehen von meinen ständigen verängstigten Blicken zum Kellner. Concierge? Gastón? Jedenfalls pocht mein Herz innerlich aus Angst, erwischt zu werden. Es wäre nicht schwer mich zu enttarnen. Siñore Gastón müsste mich bloß bitten, noch etwas zu bestellen und ich wäre aufgeflogen. Schon der Kaffee bringt mich für diesen Monat ins Schwitzen – wenn ich etwas essen müsste, wäre es vermutlich das Letzte, das ich diesen Monat essen würde. Nein, das ist natürlich Quatsch. Natürlich übertreibe ich. Fünf Euro für einen Kaffee, so außergewöhnlich viel ist das gar nicht. Das verlangt schließlich auch Starbucks und dort bekommt man vielleicht einen Frapuccino Grande Venti Fantastici, aber dafür kein Glück. Und keine Klaviermusik. Die Pianistin ist ebenfalls sehr schön und ich gebe mir Mühe, den grauenvollen Kaffee langsam zu genießen. Normalerweise trinke ich sehr schnell. Doch das kann ich mir hier nicht leisten. Leider lassen sich alte Muster gar nicht so leicht durch guten Willen ablegen und so ignoriert meine Hand meine guten Vorsätze. Der Kaffee ist leer. Und damit auch mein Besuch vorbei. Ich frage den Kellner, ob ich bezahlen könnte. Er sieht mich an, als würde er sich dieselbe Frage stellen. Aus Trotz gebe ich ihm 50 Cent Trinkgeld. Und fühle mich nach dieser einen Stunde viel glücklicher als vorher. Undercover Glück hat funktioniert. Und allein deshalb gehöre ich wohl mittlerweile schon ein bisschen dazu. Nächste Woche soll der Weihnachtsbaum aufgestellt werden. Bis dahin spare ich auf ein Käse-Toast.

Change or die

„The stripes on a tiger are hard to change“. Und Menschen auch. Eine goldene Regel in Beziehungen lautet, man solle nie versuchen, den anderen zu ändern. Unabhängig davon, um was für eine Beziehung es sich handelt. Wenn, dann solle man selbstmotivierte Änderung unterstützen oder gemeinsam wachsen. So zumindest die Theorie. Dass das in der Praxis oftmals schwerer gelingt, sei mal angenommen und soll hier auch nicht das Thema sein. Denn beim Annehmen der Annahme, den anderen nicht aktiv ändern zu können, gilt es gleichzeitig, zu akzeptieren, dass die Beziehung selbst sich ändern wird. So wie jede Beziehung. Und so wie das Wetter, Mode-Trends oder die Größe von Handys. Doch bei Beziehungen scheint es mit Abstand am schwersten zu akzeptieren zu sein.

Ein Beispiel: Die klassische Mutter-Kind-Beziehung: Da gibst du deinem Fleisch und Blut alles. Organisierst dein ganzes Leben um dieses Kind herum. Von morgens bis abends. 18 Jahre lang. Oft auch weitaus länger. Und dann, irgendwann, kommt dieser Punkt, an dem das Kind dann beschließt, seinen eigenen Weg zu gehen. Verständlicherweise. Das ist der Lauf der Dinge und ja auch schön und gut. Nur, wie muss es sich für die Eltern anfühlen? Oftmals nicht besonders angenehm und oftmals ist es für sie dann auch nicht so einfach, diese Veränderung anzunehmen und sich an der Selbstständigkeit ihres Kindes zu erfreuen. Und da kommt man unweigerlich an diesen Punkt, an dem beide Parteien der Beziehung sich Mühe geben müssen, die Veränderung so herbeizuführen, dass alle Beteiligten trotzdem noch ein gutes Gefühl bei der Sache haben. Nicht immer so einfach.

Das Gleiche, wenn auch auf gänzlich anderer Basis, gilt für Liebesbeziehungen. Die Honeymoon-Phase, die in einer Eltern-Kind-Beziehung ja vielleicht nicht so stetig vorhanden ist – da wechseln sich die Glücksmomente wie das erste Lächeln mit durch nächtliche Schreiattacken bedingter Verzweiflung ab – ist bezeichnend für eine romantische Beziehung: In den ersten Tagen/Wochen/Monaten/Jahren (je nach Alter, Reife und Oberflächlichkeit der Parteien) gibt es nur schöne Momente. Nur erste Lächeln, erst Küsse, erste Tage, erste Nächte, erste Urlaube, gemeinsame Zauber-Momente. Und nächtliche Schreiattacken sind höchstens sexuell bedingt.

Doch irgendwann kommt dann die Phase, in der sich zwei ehemals Unbekannte eben nicht mehr unbekannt sind und es immer schwerer wird, bei jedem Treffen überrascht zu sein, wie attraktiv oder zuvorkommend der Partner doch ist. Weil es einen eben nicht mehr überrascht, da man es ja schon kennt.

Es ist bekannt, dass viele Beziehungen diese Veränderung nicht überstehen, was an verschiedenen Gründen liegen kann. Zum einen kann es natürlich sein, dass sich hinter dieser Fassade der romantischen Anfangszeit wenig Substanz verbirgt und man feststellt, dass da wenig übrig geblieben ist. Das ist wenig erfreulich, aber zumindest eine klare Sache. Komplizierter wird es allerdings, wenn da durchaus noch mehr zu entdecken wäre, jedoch beide Beteiligten (wobei es meist auch schon ausreicht, wenn es nur einer der Beteiligten ist) nicht damit umgehen können, dass es eben nicht mehr so ist wie am Anfang.

Dann kommt nämlich schnell eine Unzufriedenheit auf, die in dem Falle nicht berechtigt, aber nicht minder giftig für das Weiterführen der Beziehung ist. Dabei stört einen oftmals weniger die Tatsache, dass sexuelle Zärtlichkeiten, romanlange Briefe oder Überraschungsgeschenke abnehmen (denn daran ist man ja zu 50 % selber beteiligt), als dass das ja früher auch alles gemacht wurde. Muss also bedeuten, dass die Beziehung nicht mehr so gut ist wie früher.

Doch hier liegt der Denkfehler: Es ist nicht alles schlechter, was anders ist. Wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist, hat man ja beispielsweise selber keine Lust auf diese Dinge – zumindest nicht mehr so häufig. Man will nur, dass der andere will.

Doch wollen, dass jemand anderes will, funktioniert selten – ob man nun will, dass die Wolken schneien wollen, der Körper abnehmen will oder die Katze nur am Kratzbaum kratzen will – meist kann man es entweder nicht kontrollieren oder man muss zumindest selbst etwas dafür tun. Das schlichte Wollen geht selten gut und führt oft zu Unzufriedenheit. Glücklicher ist man, wenn man lernt zu unterscheiden: Zwischen Dingen einerseits, die einem wirklich wichtig sind und auf die man auch langfristig Wert in einer Partnerschaft legt – diese gilt es dann zu kommunizieren oder sich selbst dafür einzusetzen. Dieser Schritt ist wichtig, vor allem, weil es durchaus auch vorkommt, dass in einer Beziehung nach längerer Zeit die Gewöhnung die Wertschätzung besiegt und sich nicht genug bemüht wird – was beide Parteien möglichst aktiv versuchen sollten. Und wenn man etwas wirklich will, ist es wichtig, sich dafür einzusetzen. Allerdings nicht durch das Wollen des Wollen des anderen, sondern durch das Kommunizieren des eigenen Wollens. Kann der andere ja schließlich nicht alles riechen.

Doch andererseits sollte man auch jene Dinge erkennen, die einfach im natürlichen Prozess abgenommen haben und stattdessen anderen, möglicherweise genauso schönen Dinge, die beispielsweise aus Vertrauen und Eingespieltheit resultieren, Platz gemacht haben. Und hier gilt es, diese Veränderung anzunehmen und sich vielleicht sogar darüber zu freuen.

Denn ob Mutter-Kind-Beziehung, Freundschaft (auch hier gibt es oftmals eine ähnliche Entwicklung – denn während man in einer neu aufblühenden Freundschaft einzig durch die Tatsache, noch nicht so viel über den anderen zu wissen, immer genug Geschichten auf Lager hat und gemeinsame Aktivitäten immer zuerst neu sind, lässt das auch irgendwann nach) oder romantische Liebe – jede Phase einer Beziehung hat ihre Vorteile und schönen Seiten. Wenn man sich auf die konzentriert und die zu schätzen weiß, ist Veränderung auf einmal gar nicht mehr so schrecklich, sondern kann richtig bereichernd sein. Und das klingt tatsächlich buddha-esker als es ist – versprochen!

 

Taschuka

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Sind sie auch ständig unzufrieden mit sich selbst?
Wer ist das nicht. Es gäbe doch so viel, das man noch erreichen könnte und vor allem, das in der eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Verhalten verbesserungswürdig ist. Wie gerne wäre man ruhiger, unbekümmerter, ordentlicher oder weniger ängstlich. Dann kommt wieder eine dieser Situationen… Und was passiert? Man reagiert so wie immer. Nur um sich hinterher zu ärgern. Derartige Versagensgefühle können ganz schön am Selbstbewusstsein kratzen.

Und nicht nur in bestimmten Situationen, in denen man nach eigenen Maßstäben versagt, sondern auch im Allgemeinen ist man doch viel damit beschäftigt, an sich zu zweifeln und die eigenen Schwächen und geistigen und körperlichen Problemzonen in den Vordergrund zu stellen. Umsonst heißt es da, man solle sich auf seine Stärken konzentrieren und an einem positiven Selbstbild arbeiten, allzu oft gelingt das leider nicht.
Doch zum Glück gibt es seit diesem Jahr Taschuka!

Taschuka ist ein Produkt in Form von drei kleinen Pillen, das ihr Selbstbewusstsein auf eine Art und Weise stärken wird, von der sie es nicht erwartet hätten: Für genau drei Tage, die sie sich selbst einteilen wollen, wie sie möchten, (direkt hintereinander, was wir allerdings nicht empfehlen, oder über Monate verteilt immer wieder, wenn Sie besonders stark an sich zweifeln) werden sie sich bzw. die andere Person (Verabreichung an Partner und Verwandte ist natürlich auch möglich) den ganzen Tag lang als vollkommen gegenteilige Person erleben.
Und wenn wir gegenteilig sagen, meinen wir auch gegenteilig! 24 Stunden lang wird sich ihre Persönlichkeit komplett ins Gegenteil umkehren, jede noch so kleine Eigenschaft, jede noch so typische alltägliche Verhaltensweise, die daraus resultiert, wird sich ändern. Undzwar radikal. Das klingt für Sie alles noch sehr theoretisch und unvorstellbar? Nun, werfen Sie einen Blick auf diese Geschichten und Sie werden es kaum erwarten können, selbst diese Taschenmedizin zu schlucken.

Unsere Kundenmeinungen zu „Taschuka“:

Susi, 36: „Ich danke der Firma und „Taschuka“ von ganzem Herzen! Ständig war da diese Stimme in meinem Kopf, die mich maßregelte oder den Finger erhob, wenn ich mal wieder etwas Unsinniges von mir gab oder mal wieder zu die Deadline bis aufs Äußerste ausreizte. Außerdem traute ich mich so oft nicht, meine Meinung zu sagen und ärgerte mich dann immer über mich selbst; es war schrecklich! Wenn mein Chef mich mit seinem strengen Gesichtsausdruck musterte, widersprach ich ihm nie, selbst, wenn ich Recht hatte. Ehrlich gesagt erhoffte ich mir von der Einnahme von Taschuka weniger, mich selbst gut zu finden, als endlich mal einen Tag zu erleben, auf den ich stolz sein konnte. Doch auch das hoch gelobte Selbstbewusstsein, dass diese Taschenmedizin versprach, war natürlich reizvoll.
Also nahm ich zwei Tage lang Taschuka. Zwei Tage, die mein Leben verändern sollten. Denn in diesen zwei Tagen hielt ich nicht nur jede Deadline bis aufs Pünktlichste ein, sondern knallte nicht nur meinem Chef, sondern auch allen anderen alle meine Meinungen unbedacht an den Kopf. Dass mich das meinen Job kostete und zu mehr als einem großen Streit führte, war allerdings nicht einmal das, was mir zu denken gab. Stattdessen fiel mir auf, dass mir meine normalerweise so ausgeprägte Feinfühligkeit, Freundlichkeit und Rücksicht stark fehlten – ich rempelte Menschen an, pöbelte selbst liebenswerteste Verkäuferinnen nachhaltig schädigend an und ignorierte außerdem den Geburtstag meiner besten Freundin – meinen stark ausgeprägten Sinn für Freundschaft hatte ich offensichtlich auch verloren. Außerdem schien ich nicht mehr besonders auf meine Hygiene zu achten und wurde prompt krank – dass meine oftmals übertriebene Vorsicht auch ihre Vorteile hat, hätte ich vorher nicht gedacht.
Alles in allem waren es zwei furchtbare Tage, in denen weder ich selbst noch die Menschen um mich herum mich leiden konnten. In Zukunft werde ich mich sicherlich weniger über mich ärgern.
Und nicht nur über mich. Ich ärgerte mich ja nicht nur über mich selbst.
Nein, über meinen Freund erst…
Er war ja so unordentlich… Jedes Mal, wenn er seine Socken mal wieder in der Wohnung verteilte, wollte ich ihn am liebsten erschießen. Dank Taschuka und der einen Pille, die ich ihm verabreichte, lernte ich ihn dann von einer ganz anderen Seite kennen: Auf einmal war er ordentlich – er faltete alle seine Klamotten mit akribischer Genauigkeit und hinterließ das sauberste Zimmer, das ich je gesehen hatte.
Doch erstens kam er dadurch zu jedem Termin, den er an dem Tag hatte, zu spät und zweitens war er die ganze Zeit schlecht gelaunt – nicht wegen der gefalteten Socken, sondern einfach so! Ohne Grund! Achja, und er warf mir den ganzen Tag über nicht einen einzigen liebevollen Blick zu, von Körperkontakt ganz zu schweigen.
Ich fing an, wirklich zu schätzen zu wissen, dass er normalerweise so ein fröhliches Gemüt hatte und seine Augen und Hände nicht von mir lassen konnte. Das waren alles Eigenschaften, die ich zwar schon irgendwie schätzte, auf die ich aber nie meinen Fokus gelegt hatte.
Dank Taschuka bin ich nun selbstbewusst, weiß um meine Qualitäten und kann es gleichzeitig langsam und mit Geduld schaffen, bei den Eigenschaften, die ich an mir nicht mag, mich dem Mittelweg anzunähern zwischen meinem jetzigen und meinem Taschuka-Ich. Denn mein Ziel ist es nicht mehr, unverblümt jedem alles an den Kopf zu werfen, was mir nur einfällt – da hat mir dieser eine Tag gereicht. Nein, ab und zu ein bisschen mutiger zu sein, reicht mir schon. Und meinen Freund liebe ich seit Taschuka auch viel, viel mehr.“

Paula, 29: „Als ich meinem Freund von Taschuka erzählte, war er zunächst skeptisch. So wie meistens, wenn ich ihm eine neue Idee präsentiere. Dabei hat er das früher so sehr gemocht. Doch als ich ihn überredete, mich mal zwei Tage lang unter Taschuka zu beobachten, leitete das die Tage ein, nach denen er nie wieder eine Idee von mir skeptisch aufnehmen würde. Als ich nämlich diese 48 Stunden nur träge zu Hause saß und wenig bis überhaupt gar keine Lust hatte, mich großartig mit ihm zu unterhalten oder meine Gedanken – die zugegebenermaßen erschreckend langweilig und einseitig waren – mit ihm zu teilen, fiel ihm erst auf, wie sehr er meine verrückte und extravertierte Seite vermisste. Unser Fazit: Mein Freund bat mich schon nach 36 Stunden, das „Experiment abzubrechen“ – was übrigens leider nicht möglich ist – und wir beide erkannten, dass oftmals Eigenschaften, die einen nerven, mit solchen einhergehen, die man wahnsinnig schätzt und auf die man sich statt dem Gemeckere konzentrieren sollte.
Mein einziger Kritikpunkt wäre somit vermutlich, dass man keinen Abbruch vornehmen kann, doch möglicherweise wäre die Erfahrung dann auch nicht mehr die Gleiche.“

Martin, 31: „Ich muss zugeben, dass ich zunächst dachte, Taschuka sei nur etwas für Frauen. Ein neuer Trend, so wie die Avocado-Diät oder positive Affirmationen, die das Selbstwertgefühl stärken. Doch als ich auf immer mehr Freunde und Bekannte traf, die auf einmal ein ganz neues Selbstbewusstsein aufweisen konnten, wurde ich neugierig und probierte diese Pillen selbst einmal aus. Ich war schon lange unzufrieden mit meiner ruhigen und meiner Meinung nach etwas langweiligen Art und war gespannt, wie ich mich einmal von einer anderen Seite kennenlernen würde. Zwei für mich und eine für meinen Bruder, mit dem wir in letzter Zeit viel Streit gehabt hatten, weil er ein geldgeiles Arschloch geworden war. Über die Weihnachtstage war er zu Besuch und ohne es ihm mitzuteilen, schob ich ihm die Tablette unter (Anmerkung der Hersteller: Diese Anwendung ist nicht zu empfehlen und kann zu rechtlichen Schwierigkeiten führen!).
Das Resultat war unglaublich. Nachdem meine Familie mich nach den zwei Tagen kaum noch wieder erkannte und jeder sich darüber beschwerte, wie anstrengend und rücksichtlos ich gewesen war, erklärten sie mir, wie sehr sie den Ruhepol vermissten, der ich sonst immer bei Familienfeiern war und fragten mich, warum ich aufgehört hatte, meine täglichen Gedichte zu schreiben. Die Witze, die ich jedem aufzwang, waren alles andere als lustig und das Essen hatte ich nach fünf Minuten ebenfalls vollständig aufgegessen, sodass für die Langsameren nichts mehr übrig blieb. So fielen mir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder meine Vorzüge auf und ich nahm mir vor, an meinen Makeln konstruktiv und ohne Selbstzerfleischung zu arbeiten.
Achja und nachdem ich meinen Bruder unter Taschuka seit Jahren zum ersten Mal erträglich gefunden hatte und auch die Familie sich wunderte, dass er es schaffte, die ganze Zeit über freundlich und liebevoll zu sein, entschloss ich mich endgültig, den Kontakt zu ihm abzubrechen – auch etwas, das ich mich zuvor nicht getraut hatte.“

Wie Sie also sehen, ist Ihr eigenes Ich nie so schrecklich, wie Sie denken. Im Gegenteil! Sie haben ganz wundervolle Qualitäten, auf die Sie stolz sein können und an die Sie vielleicht nur ab und zu erinnert werden müssen. Mit Taschuka können Sie genau dies tun – denn auch wenn es in unserer Gesellschaft eine unerfreuliche Angewohnheit ist, Dinge besonders dann zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind, so nutzen wir mit Taschuka genau diesen Mechanismus aus, um Ihnen deutlich zu machen, was Sie an sich und ihren Mitmenschen haben. Genießen Sie es, seien Sie stolz auf Ihre Qualitäten und arbeiten Sie an sich, wenn Ihnen etwas nicht passt!

Warnung: Bemerken Sie an der TAUSCHKA-Version Ihrer Selbst oder Ihres Partners, dass diese Ihnen besser gefällt als die Originalversion, übernimmt die Magische Momente GmbH keine Haftung für etwaige Zusammenbrüche. In dem Fall gratulieren wir Ihnen zu Selbst-bzw. Fremderkenntnis und würden Ihnen empfehlen, Ihre Beziehung oder Ihren Charakter nochmals zu überdenken und eventuell einen Lebensberater oder Therapeuten aufzusuchen.

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